Toteninsel, Gruft-Geschichten und dreiste Diebstähle

Eine außergewöhnliche Abendführung durch Fredersdorf-Vogelsdorf am 10. Oktober 2020

Als sich am Abend des 10. Oktober 2020 eine große Gruppe von Geschichts- und Geschichten-Interessierten vom Gutshof aus in Bewegung setzte, ging gerade die Sonne unter.

Wenig später erreichte sie einen einzigartigen Ort im Schlosspark: die sogenannte Toteninsel. Nun umgab sie bereits die Dunkelheit und es fiel der Ortschronistin Petra Becker nicht schwer, eine leicht gespenstische Stimmung zu vermitteln. An dieser Stelle befand sich nämlich eine Begräbnisstätte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier Angehörige der Familie Henry bestattet, zur damaligen Zeit die Schlossbesitzer von Fredersdorf. Heute zeugen nur noch ein paar alte Steine von der damaligen Nutzung.

Doch halt: am Tag zuvor, als Mitglieder des Heimatvereins und die Ortschronistin sich zur Vorbereitung der Führung die Örtlichkeiten bei Tageslicht ansahen, fand man einen Gegenstand, der nicht zu den Steinen passte. Es war ein Tragegriff, der offensichtlich zu einem der Särge gehören musste. Die Verblüffung war groß, denn die Gräber galten als völlig zerstört und ausgeraubt. Umso größer die Freude über dieses Zeugnis, das für die „Orts-Geschichtler“ eine große Bedeutung hat. Untersuchungen sollen jetzt bestätigen, dass dieser Griff tatsächlich aus dem 19. Jahrhundert stammt. Nach ausgiebiger Erläuterung zur ursprünglichen Begräbnisinsel lief die Gruppe im Schein ihrer Taschenlampen durch den Schlosspark, hielt kurz am ehemaligen Mühlenteich und vor der früheren Bohmschen Fabrik bevor es gegenüber dem „Katharinenhof am Schlosspark“ einige Erklärungen zur Geschichte des Fredersdorfer Schlosses gab, einschließlich einiger Geschichten zu unterirdischen Gängen und vermauerten Kellergewölben mit angeblichen Schätzen und deren Dieben. Der Rundgang endete in der wunderschönen Kirche von Fredersdorf, wo Petra Becker auf die Besonderheiten der Innenausstattung aufmerksam machte, die in der Region einzigartig sind, wie die wieder sichtbar gemachte Draperie-Malerei hinter dem Kanzelaltar. Als Überraschung gab es ein kleines Orgelkonzert, dargeboten vom Vereinsmitglied Frank Ausserfeld. Dazu wurden noch Geschichten über dreiste Diebstähle zu Gehör gebracht und es wurde ein (heimlicher) Blick in die Gruft unter dem Kirchturm und in das Mausoleum geworfen. Es gab also viel zu entdecken in diesen zwei Stunden im abendlichen Fredersdorf-Vogelsdorf und die Beteiligten bedankten sich im Anschluss herzlich für die vielen Informationen.

Der Heimatverein und die Ortschronistin planen auch im nächsten Jahr 2021 Ortsführungen zu verschiedenen Themen. Termine werden Anfang des Jahres bekannt gegeben.

Petra Richter

Mitglied des Heimatvereins Fredersdorf-Vogelsdorf e.V.

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